Zum Mausoleum
Zum Standort des Mausoleums
Um 1915 errichtete der österreichische Sinto Josef Weinlich („Nauni“), ein örtlicher Pferdehändler, das Sinti-Mausoleum Osendorf für seine Familie und sich auf dem ehemaligen Osendorfer Gemeindefriedhof.
Die einzigartige Grabkapelle ist seit 2012 Eigentum der Stadt Halle.
Das Mausoleum steht isoliert auf einer kleinen Grünfläche an der Karl-Meißner-Str. 43 in 06132 Halle (Saale), die früher Teil des Osendorfer Friedhofs war.
Heute wird das Areal überwiegend als Spielplatz, als öffentlicher Freiraum genutzt; die Friedhofsanlage selbst existiert nicht mehr, jedoch kann man noch einige der Grabplatten sehen.
Das Gebäude ist von einem Zaun umschlossen. Besichtigungen finden in der Regel nur im Rahmen von Programmen wie dem Tag des offenen Denkmals statt.
Das Mausoleum ist als Kulturdenkmal erfasst. Aufgrund von Substanzschäden ist das Bauwerk in schlechtem Zustand; Sanierungsmaßnahmen sind geplant bzw. inzwischen eingeleitet.
Hinweisschilder informieren vor Ort über die Geschichte und den Schutz des Gebäudes.
Zum Gebäude
Das Gebäude ist eine kleine, steinerne Grabkapelle, erbaut um 1915. Es ist im Denkmalverzeichnis von Sachsen-Anhalt eingetragen.
Die architektonischen Hauptmerkmale des Gebäudes sind:
- ein rundbogiges Portal als prägendes Element; das Portal war die ursprüngliche Lichtöffnung,
- eine Eingangsflankierung durch Säulen und zwei Löwenköpfe als Schmuckelement,
- eine Giebelkrönung; der frühere steinerne Abschluss ist nicht mehr erhalten, dadurch ist die Silhouette verändert.
Das Gebäude zeigt ein massives Mauerwerk mit einer Putz- und Farbschichtung, die einst mehrfarbig war. Ein längerer Substanzverfall machte Notsicherungsmaßnahmen nötig. Die denkmalgerechte Sanierung ist inzwischen eingeleitet.
Das Gebäude ist ein seltenes, authentisches, steinernes Zeugnis der Sinti-Kultur in Mitteldeutschland. So ist es ein lokales Denkmal und ein bedeutsamer Erinnerungsort.
Zum Relief am Mausoleum
Im Giebelfeld des Mausoleums befindet sich ein Relief mit Hufeisen, Kandare und Reitpeitsche – Symbole des Pferdehandels und des Lebens von Josef „Nauni“ Weinlich, einem angesehenen Sinto und erfolgreichen Händler aus Osendorf.
Zur Bedeutung des Reliefs:
- aus historischer Perspektive: ein Zeugnis der Sinti-Kultur in Mitteldeutschland – selten und authentisch,
- aus der persönlichen Perspektive: ein Ausdruck von Stolz, Würde und Handwerk, so ist das Relief kein bloßes Ornament, sondern ein Statement: „Ich will erinnert und erzählt werden als erfolgreicher Pferdehändler.„
Damit wird das Mausoleum zu einem einzigartigen Kulturerbe, es ist eines der wenigen von Sinti selbst geschaffenen Bauwerke. Sein Erhalt will erinnern und nicht vergessen, gerade angesichts von Ausgrenzung, Verfolgung und Völkermord im Nationalsozialismus. Das Detail des Reliefs wird zum Denk-Mal, das von Identität, Standhaftigkeit und Zusammenhalt erzählt.